30 Kilo
ERÖFFNUNG: FREITAG, 31. OKTOBER, 18 UHR
AUSSTELLUNGSDAUER: 31. OKT. - 6. DEZ. 2008
Mit der Ausstellung 30Kilo präsentiert die Hamish Morrison Galerie die erste Einzelausstellung der in Wien lebenden Künstlerin Viktoria Tremmel, in Deutschland.
Anlässlich eines Arbeitsstipendiums in Cesky Krumlov (Tschechien) erlebte Viktoria Tremmel die „ Schwere" der Allgegenwart des Militarismus sowohl als historisches Erbe als auch im aktuellen Alltag. Der insbesondere von Jugendlichen getragene Militäranzug schien ihr weniger eine provokative modische Adaption als vielmehr ein Bezugspunkt, der einen so starken symbolischen Wert umfasst, dass er geeignet scheint Identitäten zu stiften.
Die Künstlerin fasste den Entschluss diese empfundene „ Schwere" mit ihren eigenen künstlerischen Mittel zu analysieren: In einer Performance klettert sie in einem Militäranzug, der durch Ziegelsteine beschwert 30 Kilo wiegt, über, unter und durch einen selbstgebauten Holzparcours. Eine Stunde simuliert sie die zur Disziplinierung von Geist und Körper entwickelten Techniken eines Militärtrainings.
Fallen, aufstehen, weitergehen.... die Grenze ihres eigenen Körpers auslotend, probiert Tremmel den durch das Gewicht ausgelösten körperlichen und psychologischen Druck und dessen Auswirkungen auf die Selbstbeherrschung und das Selbstbewusstsein des eigenen Körpers und Intellektes sowie der wachsenden Unfähigkeit sich im Raum frei zu bewegen, zu verstehen. Die Künstlerin stellt ihren Körper auf die Probe und beobachtet wie seine Fähigkeiten und Integrität absinken. Der Militäranzug wird in diesem Fall zu einer Behinderung, die aufgrund des physischen Misserfolgs die individuelle Identität eher auslöscht als formt.
Diese Erfahrung wird mit dem Besucher der aktuellen Ausstellung durch eine einen Truppenübungsplatz suggerierende Videoinstallation geteilt. Die Struktur der Installation hat die Form eines Wachturmes auf dessen Plattform ein Monitor angebracht ist. Zu sehen ist das einstündige Video der Performance 30 Kilo (2006-2007). Die Realität akzentuierend und die Gewalt der Dauer verdeutlichend, drückt das Video als Überwachungsinstanz die Härte und Leere der militärischen Übungen aus, während der Wachturm die schmerzhafte und erstickende Idee eines Raums der Unfreiheit symbolisiert. Das Werk fälscht die Beobachtungsfunktion des Wachturms ab und verwandelt den Besucher in einen passiven Beobachter eines Kampfes zwischen Geist und Körper, eines Kampfes dessen Ausgang unsicher ist.
Mit der Absurdität als Waffe, erforscht Viktoria Tremmel die Grenzen, die das Militärkonzept dem Individuum in seiner Integrität und Identität auferlegt. Ganz allgemein führt dies zu der Frage inwieweit der Rückgriff auf physische Kraft das angemessene Mittel zur Erforschung der eigenen Grenzen darstellt. Die Installation und die assoziierten Zeichnungen sind dabei die metaphorischen Zeugen des Schmerzes, den die Suche nach sich selbst mit sich bringt.
Die Kunst ist eine Widerstandshandlung nach Deleuze. Viktoria Tremmel kämpft mit ihrer Performance gegen die Banalisierung der psychologischen und körperlichen Gewalt, die das Individuum verfremdet, obwohl sie heutzutage, in einer Zeit in der alle Bezugspunkte in Bewegung sind und jeder nach Werten und Methoden sucht sich selbst zu finden, weit verbreitet ist.
Fallen, aufstehen, weitergehen.....Viktoria Tremmel macht mit 30Kilo die Erfahrung, dass die Banalisierung von Gewalt als Methode der Selbstfindung so radikal wie absurd ist.