Stefan Kübler

Im Büro, 2009

Durch ein komplexes Spiel mit den verschiedenen Formen der Wahrnehmung, sowie den Bedingungen des Zugangs zu Information, stellt Stephan Kübler (*1968, Balingen) die Entstehung von Werken in Frage.

Kübler malt auf einer Glasplatte breit und dünn zahlreiche sich überlagernde Farbschichten aus Acryl. Er zieht die getrockneten Farbschichten ab und spannt sie in entgegengesetzter Lesrichtung auf eine Leinwand. Durch die Umkehr - im wahrsten Sinne des Wortes - der gemalten Schichten, spielt er so mit der Art der klassischen Perzeption des Werkes. Er überrascht seinen eigenen Blick indem er den chimärenhaften Zugang an die ursprüngliche Subjektivität, das  natürliche Bild, das schöpferische Auge verweist.

Der Blick wird vom Glanz der perfekt glatten Farbschicht, von ihrer Feinheit und von der Intensität der Farben verzaubert. Optisch zum Schwindel gedrängt, hat der Betrachter keine andere Wahl, als sich in Bewegung zu setzen, um zu versuchen, die Leinwand zu erfassen. Der Zuschauer beteiligt seinen ganzen Körper an der Entwicklung und verstärkt damit die Wirkung der internen Bewegung, bei den figurativen wie bei den abstrakten Gemälden.

Stefan Kübler erforscht mit seiner raffinierten Technik die Funktionsweise des Bildes selbst. Er hinterfragt auf intellektuelle und sensible Weise die Konstruktionsmechanismen von Wirklichkeit und Wahrnehmung. Sei es das Unmögliche, welches in seinen Gemälden geschaffen wird oder der kinetische Effekt und die Verschleierung des Subjektes durch die Akkumulation seiner Collagen, der Künstler fordert auf, aktiv in das Bild einzutreten, und es wie auf einer Reise zu erleben. Indem er das vollständige und sofortige Erfassen des Realen verhindert, zwingt er den Betrachter dazu, auf Bewegung und damit auf Zeit zurückzugreifen. In einer Kultur voll von Bildern die auf ihren Informationsgehalt zum sofortigen Verbrauch reduziert und in einem rasenden Tempo verdaut werden, schlägt Kübler uns die Rehabilitation des Blickes vor und lädt uns ein, die Erfahrung des Betrachtens wieder zu erleben.

Stefan Kübler, geboren 1968 in Balingen in Süddeutschland studierte Malerei an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, wo er Meisterschüler in der Klasse von Ralf Kerbach war. Er lebt und arbeitet in Dresden.