Ronald de Bloeme

Home Alone, 2012
Speisereste Kategorie 3, 2011
Diktatur, 2009
Männerparadies, 2007

In einer Zeit, in der das Medium des Bildes das der Sprache immer stärker verdrängt, analysiert Ronald de Bloeme (NL,*1971) die Entstehung von bildlichen Signalen und die Bestandteile ihrer Überzeugungskraft. Wie gelingt es Produzenten visueller Sprache die vermeintlich neutralen Formen und Farben so zu manipulieren, dass sie bei einer größtmöglichen Zahl von Individuen einer genau definierten Zielgruppe einen unbewussten Identifikationsprozess herbeiführen? In welchem Maß beschwört Rot neben Weiß eine Flagge oder die Verpackung eines Schokoriegels?
Durch Aneignung, Dekonstruktion und Manipulation transformiert Ronald de Bloeme mittels des Computers die Bildvorlagen der Konsumgesellschaft. Er zensiert vorhandene Textzeilen und eliminiert alle gegenständlichen Hinweise, um so zu einer rein geometrischen Sprache zu finden, die er in spannungsreichen Kompositionen erneut zusammenfügt, verzerrt und mittels einander überstimmender farbkräftiger Lackschichten auf die Leinwand überträgt. Analog zur Intention der originären Werbeträger entstehen somit übergroße Farbflächen mit suggestiver Wirkung, die allein durch ihre Konstruktionsmittel und Farbbeziehungen bestechen.

Durch die Collagierung der uns alltäglich vermittelten Aufrufe der Warenwelt bilden de Bloemes Werke ein heterogenes Kraftfeld von Spannungen und Widersprüchen, von Bestimmtheit und Unbestimmtheit. Der ursprüngliche Kontext ist nicht als solcher erhalten, sondern weckt die Erinnerung an eine Wahrnehmung oder an einen Wissenskonsens; die Informationen, die als Codes erhalten bleiben, affizieren uns, ohne das wir beschreiben könnten warum. Sind wir nicht längst hauptsächlich Träger verinnerlichter Decodierungs-systeme gelenkt durch die immer weiter reichenden propagandistischen Zeichensysteme der Diktatur des Konsums?

Während de Bloemes Farbkombinationen einerseits als Chiffren identifizierbar bleiben, ergeben sich ebenso Muster anderer begrifflicher Zeichensysteme. Der Künstler bringt damit die Relativität von Informationen in ein produktives Spiel. So mischt er in seinem Gemälde Ironie ein militärisches Codesystem mit der Ästhetik einer Papierserviette oder ersetzt in Extract in noch radikalerer Manier alle relevanten Kerninformationen durch fortwährend oxidierende Goldpigmente. Mit seiner „Gegen-Manipulation" fordert er uns auf, zu ermessen, welche komplexe Struktur hinter den Kommunikationsstrategien für Konsumgüter stecken, wie viel Macht sie über unser Unterbewusstsein haben und in welchem Umfang sie unseren Alltag bestimmen und kontrollieren.

Ronald de Bloeme studierte 1992-1996 Malerei an der Willem de Kooning Akademie in Rotterdam. Im Jahr 2000 erhielt er ein Stipendium des Internationalen Atelierprogramms des Künstlerhauses Bethanien und wohnt und arbeitet seitdem in Berlin.
Nach seiner Auszeichnung mit dem Vattenfall Kunstpreis Energie 2007 wurden seine Werke in Einzelausstellungen in der Berlinischen Galerie, Pharos Centre for Contemporary Art Zypern und dem Stedelijk Museum Schiedam gezeigt und waren darüber hinaus in öffentlichen Gruppenausstellungen wie dem Substitut in Berlin, Raum 2810 in Bonn und der Kunstsammlung Gera zu sehen.