Nuria Fuster

When Someone Melts a Menhir, 2013
Bodies, 2012
Structure Events, 2009

In einer primär durch Marktlogik beherrschten Gesellschaft muss der eingenommene Platz gerechtfertigt sein. Ein altmodischer oder zerbrochener Gegenstand, der seine Funktion nicht mehr erfüllt, verdient es nicht mehr, in diese Welt zu gehören.

Nuria Fuster interessiert sich für diese Überbleibsel und setzt sie in eine Beziehung zueinander, deren Wechselwirkung einen neuen Dialog entstehen lässt. Sie schenkt uns die Möglichkeit, unser durch Zweckmäßigkeit geprägtes Verhältnis zu unserem eigenen Alltag zu erneuern und Schönheit und Überraschung da zu entdecken, wo man sie normalerweise nicht mehr sieht. Als Träger von Spuren der Gewalt, der Erschöpfung, des Bruches, der Ungehörigkeit sind diese Gegenstände anachronistisch und größtenteils außer Gebrauch. Die Künstlerin spielt mit dem Raum, sie überträgt, sie richtet ihn ein, je nach dem was er ihr erzählt, sie rekonstruiert ein mehr oder weniger stabiles oder prekäres Gleichgewicht, welches jedoch immer mit einer neuen, eigenen Harmonie ausgestattet ist.

Ähnlich dem Schauspieler, dessen persönliche Geschichte es ihm erlaubt, eine komplexe Rolle mit immer neuen Emotionen anzureichern, bringen diese Gegenstände ihre eigene Persönlichkeit in diese neue Inszenierung ihres und unseres Lebens. Fuster mag diese verbrauchten Objekte, Überbleibsel unserer Gesellschaft, die von Abdrücken und Spuren bedeckt sind, die wie Falten in einem Gesicht die Geschichte eines Lebens erzählen. Sie sprechen zu ihr in einer Sprache die `uns´ erzählt, die von unserem Leben spricht.

Nuria Fuster lehnt das Gesetz des Konsumismus als Alpha und Omega des Lebens ab. Sie verlängert und erweitert das Leben von Gegenständen nicht nur technisch, sondern auch spirituell: als Spiegel der Gesellschaft in der wir uns entwickeln, als ironische Überhöhung der Gegenstände, deren Lebensdauer unvergleichlich viel länger sein kann als die unsrige, die wir sie verachten, als Anlass unseren eigenen Gebrauchswert in der Gesellschaft zu hinterfragen.

Nuria Fuster, geboren 1978, lebt und arbeitet in Madrid. Sie studierte Kunst in Rom und Valencia und schloss ihr Studium mit einer Promotion ab. Sie nahm bereits an zahlreichen Ausstellungen in Spanien aber auch international, in Deutschland, Frankreich, Italien und den USA teil. Sie ist Stipendiatin der Fundación Marcelino Botín.

www.nuriafuster.com