RONALD DE BLOEME

Home Alone

Eröffnung: Freitag, 26. October 2012, 18 Uhr
Ausstellungsdauer: 26. Oktobert – 8. Dezember 2012

 

Die Hamish Morrison Galerie freut sich außerordentlich, mit der Ausstellung „Home Alone“ neueste Papierarbeiten des Niederländers Ronald de Bloeme (*1971) zu präsentieren.  

 
"Das Objekt wird neu zusammengesetzt, um Funktionen in Erscheinung treten zu lassen, und das ist, wenn man so sagen darf, der Weg, der das Werk hervorbringt." (Roland Barthes)  

Ronald de Bloeme forscht, sammelt und plündert. Und er ist ein Wiederholungstäter. In seinen Arbeiten finden sich Allusionen auf populäre Zeichen unserer gegenwärtigen Gesellschaft, die, bewusst oder unbewusst, tief in unserem Bildgedächtnis verankert sind. Der Künstler entnimmt seine Vorlagen dabei nicht nur den Zeichensystemen der Konsumgesellschaft, die auf Werbetafeln, Verpackungen oder Logos zu finden sind, sondern er verwendet auch ganz individuell besetzte Muster, wie jenes der aus der eigenen Kindheit vertrauten Tischdecke oder, wie in einer frühen Arbeit, auch die Tischdecke selbst. Dabei werden jegliche buchstäblichen Verweise auf den Ursprung entfernt oder mittels einer Art Zensurbalken unkenntlich gemacht. De Bloeme verarbeitet Gesehenes seiner Umwelt und dabei greift dabei auch immer wieder auf seine eigenen Arbeiten zurück. So bedingen sich die Bilder zum Teil in ihrer Entstehung gegenseitig. Das Konzept der Wiederholung schließt dabei ebenso die fortwährende Auseinandersetzung mit der eigenen Arbeit als auch die Aneignung fremder Muster mit ein: stets jedoch mit den Mitteln von Farbe und Form.

De Bloemes Rezeptions- und Transformationsprozesse können angestoßen werden durch den Anblick eines Mannes im Harlekinkostüm, dessen farbenprächtiges Muster uns in der „Kurzstrecke 19“ wieder begegnet, oder auch durch Werke anderer Künstler beeinflusst sein: De Bloeme verweist auf den niederländischen Künstler René Daniëls als Inspirationsquelle für die mehrfach in seinem Werk auftauchenden Formationen der zusammengefügten Dreiecke, wie z.B. in „Kurzstrecke 18“.

Und so sind auch die beiden einander zugewandten Flamingos der großformatigen (185 x 125 cm) „Kurzstrecke 02“ als Reminiszenz an Sigmar Polke und seine Vogelbilder aus den 60er Jahren zu lesen. Die Flamingos stehen wie eine schwarze Silhouette vor einem Raster aus grünen und gelben Streifen. Bei genauerem Hinsehen nehmen wir wahr, dass der Untergrund nicht nur reines Weiß ist, sondern sich Spuren eines ansonsten eliminierten malerischen Gestus’ zeigen, dem des maschinellen Abschleifens der weißen Farbe vor farbigem Untergrund. Die Schleifspuren treten verstärkt in de Bloemes jüngerem Werk auf und gewinnen bei den Papierarbeiten eine besondere Präsenz, wenn an manchen Stellen Löcher im Papier entstehen, er die Schichten kraftvoll durchdringt und in eine fast körperliche Auseinandersetzung mit den Papieren gelangt. Diese Sichtbarkeit des handwerklichen Charakters, dessen Eindruck auch durch die offenen Abschlüsse einiger Bildränder unterstützt wird, lässt den Produktionsprozess in den Arbeiten unübersehbar zu Tage treten. Der subtrahierende Akt des Farbabschleifens mittels einer Maschine birgt auch ein unberechenbares Moment des Zufalls in sich und tritt in einen spannungsreichen Dialog mit dem additiven Verfahren der überaus kontrolliert gestalteten Überlagerung von Farb- oder Materialschichten in de Bloemes Arbeiten.

Und so wie der Künstler die visuellen Eindrücke seiner Umgebung aufnimmt, verdaut und sie dann unserem eigenen Wahrnehmungsprozess übergibt, so macht sich de Bloeme auch zum ersten Mal den seine Arbeiten umgebenden Ausstellungsraum zu eigen. Er transformiert den Raum seiner Bilder und den Ort ihrer Betrachtung in die Illusion eines Zuhauses. Inmitten der prominenten Shoppingmeile der Friedrichstraße und für jedermann durch die Schaufenster einsehbar wird der Sehnsuchtsort eines Home Alone für jeden zugänglich. De Bloemes Arbeiten reflektieren dabei sowohl die Begehrlichkeiten der konsumorientierten Gesellschaft, evozieren aber auch eine Erinnerung an etwas anderes: Wir sind allein zu Haus, doch gleichzeitig umgeben von einem Gefühl des Vertrauten, uns gut Bekannten, das uns bei der Betrachtung der Papierarbeiten umfängt.

 

Ronald de Bloeme wurde 1971 Leeuwarden, Friesland, Niederlande, geboren. Von 1992-1996 studierte Ronald de Bloeme Malerei an der Willem de Kooning Akademie in Rotterdam. Im Jahr 2000 erhielt er ein Stipendium des Internationalen Atelierprogramms des Künstlerhauses Bethanien und lebt seitdem in Berlin. 2007 erhielt er den Vattenfall Kunstpreis. De Bloemes Werke wurden in Einzelausstellungen u.a. in der Berlinischen Galerie, im Kunstverein Malkasten in Düsseldorf, im Pharos Centre for Contemporary Art Zypern und dem Stedelijk Museum Schiedam gezeigt und nahmen an nationalen und internationalen öffentlichen Gruppenausstellungen teil, derzeit im Mondriaanhuis in Amersfoort (NL). Seine Arbeiten sind in zahlreichen öffentlichen Sammlungen, einschließlich der Caldic Collectie, Wassenaar (NL); der GASAG, Berlin; dem Stedelijk Museum Schiedam, (NL); der Berlinischen Galerie, in der Galerie Neue Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden; Espacio 1414, San Juan (PR) und der Vattenfall Sammlung vertreten