Jörg Scheibe

Disappearer

 

Eröffnung: Freitag, 11. März, 18 - 21 Uhr
Ausstellungsdauer: 11. März - 9. April 2011

Die Hamish Morrison Galerie freut sich, eine Ausstellung mit neuen Bildern von Jörg Scheibe zu präsentieren. Dies ist seine fünfte Einzelausstellung mit der Galerie.

Die stilistischen Übergänge in Scheibes Werken vollziehen sich nahezu fließend: vom Realismus über die Abstraktion bis hin zur Collage. Ein einzelner roter Faden zieht sich durch diese unterschiedlichen Stränge - der Zweifel. Seine Werke erzeugen eine Art von Unruhe: realistische Bilder, aus denen ein konkretes Motiv fast verschwunden ist, zum Beispiel, oder die "abstrakte" Malerei, die eine realistische Übertragung eines von Computer-Software in abstrakte Formen umgerechneten Bildes ist oder die kleinen, fast zufälligen Collagen, die aus Bestandteilen vernichteter, ursprünglich wesentlich größerer und sorgfältiger geplanter Arbeiten entstehen. Seine jüngsten Gemälde setzen diesen Trend fort. Gestützt auf so unterschiedliche Quellen wie Horrorfilme, Science-Fiction, randständige Popmusik und Postulate der klassischen Moderne, nutzt er seine Bilder, um uns zwischen Räumen und Befindlichkeiten auszusetzen - entweder als glücklich geblendete Verbraucher seiner Werke oder als ihr Gegenstand, gefangen in seiner erschreckenden, gemalten Welt.

In der Serie Garageland, setzt sich Scheibe mit der modernistischen Vorstellung des Künstlers als Forscher auseinander, indem er ihm die Positionierung des Künstlers als "Heimwerker" entgegensetzt. Vage architektonische Motivreste ziehen sich wie Wanderbaustellen durch die Bildserie. Kubismus und Futurismus führten Multiperspektivität und Simultanität in die bildende Kunst ein, die heute, einhundert Jahre später, als Status Quo der Weltwahrnehmung erscheinen. Scheibe `photoshopt´ gefundene Bilder in komplexe, proto-modernistische Collagen und reproduziert sie als Malerei. Er "bessert" diese Strukturen aus - wie es jeder gute Heimwerker tun würde - indem er temporäre Reparaturen durchführt und sie in einen historischen Bildraum hineinbaut. Die daraus resultierenden Bilder sind wie die kubistischen Werke, denen sie huldigen, zwischen Abstraktion und Figuration gefangen, ein digital-analoges Dauerprovisorium. Aber sie schaffen auch einen alarmierenden Abstand zwischen dem Bild und seiner ursprünglichen Realität, errichten einen Parcours von Artefakten, in dem Schwundformen der Moderne herummarodieren - the hills of high culture have eyes.

Garageland wird in einer Art Zweitstimme kombiniert mit kleinformatigen Bildern, die sich auf den extremen Ausschnitt konzentrieren, und doch die Frage nach Zusammenhängen stellen. In allen ausgestellten Werken vermeidet Scheibe klare Auflösungen oder offensichtliche Bedeutungen. Das kann frustrierend sein, und weil seine Werke nicht ausreichend mit unseren Erwartungen an sie korrespondieren, erzeugen sie eine Art Krise. Diese Krise bezieht sich jedoch nicht auf die Arbeit oder den Künstler, sie bezieht sich auf uns als Betrachter. Scheibe zwingt uns, unsere Vorurteile bezüglich des Vorganges - sich ein Bild zu machen - und unsere Beeinflussung durch die Massenkultur zu überprüfen und zu hinterfragen. Seine Werke sind ruhige Konfrontationen in einer überbelichteten, bildgesättigten Welt.

 Jörg Scheibe wurde 1966 in Ebersbach / Sachsen geboren. Sein Werk wurde ausgiebig in ganz Deutschland gezeigt. Er hat auch international in Mailand, Prag, Genua, New York und Wellington und anderen Städten ausgestellt. Seine Arbeiten sind in zahlreichen öffentlichen Sammlungen vertreten. Er lebt und arbeitet in Berlin.