Ronald de Bloeme
Im Büro


Eröffnung: Freitag, 29 Oktober 18Uhr
Ausstellungsdauer: 30. Oktober - 4. Dezember 2010

`Gewimmel, welch Gewimmel. Wie sich das bewegte. ()Was war das alles. Schuhgeschäfte, Hutgeschäfte, Glühlampen, Destillen.  Die Menschen müssen doch Schuhe haben, wenn sie so viel rumlaufen, () Hundert blanke Scheiben, laß die doch blitzern, die werden dir doch nicht bange machen, kannst sie ja kaputt schlagen, was ist denn mit die, sind eben blankgeputzt.
Man riß das Pflaster am Rosenthaler Platz auf, er ging zwischen den andern auf Holzbohlen. () Figuren standen in den Schaufenstern in Anzügen, Mänteln, mit Röcken, mit Strümpfen und Schuhen. Draußen bewegte sich alles, aber — dahinter— war nichts! Es — lebte— nicht.´  
Alfred Döblin, Berlin-Alexanderplatz
 
Die Hamish Morrison Galerie freut sich, eine neue Serie von Arbeiten auf Papier, des Künstlers Ronald de Bloeme im Büro präsentieren zu können.
 
Ronald de Bloeme erbeutet seine Anregungen in der Welt der Werbung und des kommerziellen Design. Er verwendet u.a. Logos, deren Allgegenwart uns bereits abstumpfen lies, verfremdet sie am Computer, fügt hinzu, nimmt weg, vervielfacht, montiert. Die daraus resultierenden Kompositionen bringt er auf großformatige Leinwände, verwandelt sie in Gemälde, deren glänzende Oberflächen die Ebenheit der Produktverpackungen oder Plakatwände imitieren. Durch de Bloemes Hände nehmen diese Logos ein gänzlich neues Leben auf, losgelöst von ihrer ursprünglichen Intention, verändert, untergraben, ausgehöhlt durch die annektierte Kontrolle. Die Bilder scheinen uns immer seltsam vertraut, ohne das wir exakt bestimmen könnten wieso - bis wir nach Hause kommen, eine Zahnpastatube in die Hand nehmen, oder einen Kontoauszug, oder eine Packung Zigaretten.
 
Seit kurzem, hat de Bloeme begonnen seine Ursprungsbilder zu `zensieren´; er überdeckt seine Entwürfe mit Lackstreifen, die an Korrekturband oder geschwärzte Textstellen denken lassen. Diese Vorgehensweise impliziert eine starke politische Komponente, durch das Zensieren dieser Logos - von denen viele, weltweite Marken oder Medienkonzerne mit großer Macht repräsentieren - spiegelt er deren manipulativen Umgang mit unserer täglichen Erfahrung der Umwelt.
 
Die Arbeiten auf Papier in dieser Ausstellung bringen diese unterschiedlichen Aspekte seines Werkes zusammen. Viele der Bilder basieren noch immer auf einzelnen Logos, aber de Bloemes Umgang mit Ihnen ist hier wesentlich unspezifischer. Statt harter Kanten und glatter Oberflächen, sehen wir ganz deutlich die Spuren der Hand des Künstlers. De Bloeme untergräbt auf spielerische Art und Weise seine eigenen Materialien und Methoden. So versieht er einige der Blätter mit dicken Lackstreifen, was auf seinen Gemälden pefekt stimmig wirkt, scheint hier fast unvereinbar mit der Zartheit des Papiers. Auch schleift er das Papier, wie seine Gemälde, wobei er es manchmal regelrecht durchschleift, um die unterschiedlichen Lagen der Farbe aufzuzeigen.
 
Diese Papierarbeiten sind keine Studien für größere Gemälde; sie sind eigenständige Kunstwerke. Auch scheinen sie einige wichtige Hinweise zu geben, in welche Richtung de Bloeme sich bewegt. Als Künstler ist er der Malerie fast schamlos ergeben, aber gleichzeitig auch bereit seine Rolle als Maler und die Funktion seiner Kunst immer wieder zu hinterfragen.
 
Ronald de Bloeme wurde in Leeuwarden, Friesland, Niederlande, 1971 geboren. Nach dem Studium an der Willem de Kooning Akademie in Rotterdam, kam de Bloeme im Jahr 2000, im Rahmen eines Aufenthaltes im Künstlerhaus Bethanien, nach  Berlin. Zehn Jahre später hat er sich einen Ruf als ein viel versprechender Maler Berlins etabliert. Er hatte Einzelausstellungen im Stedelijk Museum, Schiedam und der Berlinische Galerie, Berlin. Seine Arbeiten sind in zahlreichen öffentlichen Sammlungen, einschließlich der Caldic Collection, Rotterdam, Espacio 1414, San Juan, GASAG, Berlin, Stedelijk Schiedam, Berlinische Galerie, Albertinum, Dresden und Vattenfall. Im Jahr 2007 erhielt er den Vattenfall Kunstpreis. Er lebt und arbeitet in Berlin.