Andrey Klassen

Im Büro

 

Eröffnung: Freitag, 10. Dezember 18 – 21 Uhr

Ausstellungsdauer: 10. Dezember 2010 – 22. Januar 2011

 

"Schwarz ist optisch gesehen die Farbe, ?die das geringste Licht reflektiert; ?aber wenn das Licht über tausend kleine Grate aufgefangen wird, ?ergibt es den Eindruck einer Farbe, ?die vom dunklen bis zum ganz hellen Grau geht. ?Die Bereiche von Grau oder Schwarz ergeben eine ganz bestimmte Qualität, ?die mich anspricht und mich fasziniert; ?ganz im Unterschied zu der traditionellen Weise, ?wenn man Farben mischt, ?es gibt da etwas Einzigartiges und Unersetzbares..." ?Pierre Soulages

Die Hamish Morrison Galerie freut sich, eine Ausstellung des russischen Künstlers Andrey Klassen im Büro zu präsentieren. Dies ist seine erste Einzelausstellung in der Galerie.

Klassen gehöt zu den aufregendsten jungen Absolventen des letzten Jahrganges der Dresdener HfBK. Bisher arbeitet er ausschließlich mit schwarzer Tusche auf Papier, und hat sich bereits einen gewissen Ruf für seine bemerkenswerte Kontrolle über das gewählte Medium erarbeitet. Doch ist es die Kombination dieser unglaublichen Technik mit seinen klugen Szenarien, die seine Arbeit so bemerkenswert macht.

 Im asiatischen Raum entwickelte sich vor geraumer Zeit, ausgehend vom Pinselstrich beim Schreiben von Schriftzeichen eine Zeichentechnik mit Tusche, die eine Landschaft auf ihre wesentlichen Linien und Schattierungen reduzierte. Da Tusche im Unterschied zu Aquarellfarben in den Zeichengrund einzieht, entsteht eine ganz eigene Form von Kontrasten zwischen dunklen Tuschepigmenten und hellem Zeichengrund. Dabei spielt die Zeit in der die Tusche Nass in Nass aufgetragen wird eine nicht unbeträchtliche Rolle. Die Dauer, das Verhältnis von Tusche und Wasser und der bewusste Gestus der Pinselführung bestimmen die Form und Intensität der Darstellung. Gestus und Material stehen hier in direktem Zusammenhang mit dem dargestellten Objekt.

Klassen schafft so in seinen Bildern eine unverwechselbare Welt der Schatten. Die Schatten stellen in seinen Arbeiten oft das Wesentliche, reduziert auf die Silhouette mit der äußeren Grenzlinie als alleinigem Informationsträger, dar. Das unbestimmte Innere und dessen klar definierter Umriss erhalten so eine geheimnisvolle Wirkung.

Dem Schattenprofil scheint eine gewisse Beweiskraft für die individuelle Unveränderlichkeit einer Person, Landschaft oder Umgebung innezuwohnen. In gewisser Weise bewahrt die Fixierung einer Silhouette die Erinnerung an das Abwesende.

Einige seiner Bilder scheinen auf den ersten Blick das Stadtbild des post-kommunistischen Russland hervorzurufen: Die Umrisse leerer Spielplätze vor trostlosen Mietskasernen, oder verfallene Fabriken die verrottete Straßen säumen, Fabrikschornsteine die tintenschwarzen Rauch ausstoßen. Aber es ist eben auch etwas beunruhigend Generisches an diesen Szenarien  - sie könnten alle ebenso gut Standorte in einer beliebigen postindustriellen Stadt darstellen.

Etwas anders verhält es sich mit den Darstellungen von Landschaften. Selbst wenn man nichts über die Herkunft des Künstlers weiß, bergen diese Landschaften doch alle Charakteristika einer fernen, von extremen Temperaturen und einer dominanten Natur gekennzeichneten Region. Geheimnisvoll und von einer etwas unheimlichen Schönheit verhält sich diese Landschaft den dargestellten Personen gegenüber fast wie eine Bühne. In dieser Landschaft kann man sich nicht unvorbereitet aufhalten. Vermummte Kapuzengestalten kämpfen sich durch Eis und Schlamm. Und doch gelingt es Klassen jeder dieser Gestalten eine unverwechselbare Silhouette zu verleihen. Körperhaltungen, Bewegungen, zu erahnende Blickrichtungen, die Stellung der Figuren zueinander, lassen jeden der dargestellten Menschen und Geister lebendig und einzigartig erscheinen.

Es verwundert einen nicht im Geringsten, dass diese Gegenden von den unterschiedlichsten Wesen bevölkert werden. Seien es Figuren aus alten russischen Märchen oder aus zeitgenössischen Comicmagazinen oder Filmen. Die Mehrdeutigkeit in Klassens Arbeiten scheint nie oberflächlich oder gezwungen. Stattdessen spielt sie eine subtile und meist auch humorvolle, Rolle. Scheinen seine Bilder auch oft seinen eigenen Hintergrund zu beschwören, aufgewachsen am äußersten Rand der Sowjetunion während ihres Zusammenbruchs, verkörpern sie doch ebenso gemeinsame europäische Erfahrungen – auf einem Kontinent der gebrochenen Landschaften, voller unheimlicher und auch komischer Geschichten.

Andrey Klassen wurde 1984 in der sibirischen Stadt Irkutsk, Russland geboren. Von 2005 bis 2010 studierte er an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste, und absolvierte in diesem Jahr seinen Master of Fine Arts unter Prof. Kerbach. Im Jahr 2009 erhielt er den DAAD-Preis für herausragende Leistungen. Obwohl noch so jung, hatte er bereits zahlreiche Ausstellungen in seiner Heimat Russland, darunter eine Einzelausstellung in einem Museum in Irkutsk im Jahr 2007. Dies ist seine erste Einzelausstellung in Berlin. Er lebt und arbeitet in Dresden.