Han Schuil, Paintings / Gemälde 3DHan Schuil, Paintings / Gemälde 3D

 

HAN SCHUIL
Paintings/Gemälde

 

Eröffnung: Freitag, 15. April, 18 Uhr
Ausstellungsdauer: 15. April - 28. Mai 2011

Die Hamish Morrison Galerie freut sich eine Ausstellung mit den neuesten Arbeiten des niederländischen Künstlers Han Schuil zu präsentieren. Dies ist seine erste Einzelausstellung mit der Galerie und gleichzeitig seine erste Ausstellung in Berlin.

Schuil ist einer der wichtigsten zeitgenössischen Maler Hollands. Im Jahr 2000 hatte er eine umfangreiche Retrospektive im Stedelijk Museum, Amsterdam. In seinem Vorwort zum begleitenden Katalog der Ausstellung, stellt Rudi Fuchs fest: "Es ist merkwürdig, dass den Einzelheiten...ein besonderes Gewicht in der niederländischen Tradition zukommt......Es ist diese Kompaktheit und Spannung... die Schuils Gemälde bieten."

Wie die bedeutendsten der niederländischen Gemälde streben Schuils Werke danach, etwas zu erreichen was er als "intensive Einfachheit" beschreibt, etwas, dass die Kunstgeschichte seines Landes seit Van Eyck und Vermeer bis zu zeitgenössischen Künstlern wie Rene Daniels bestimmt.

Schuil verwendet flüchtige Bilder - ein Gebäude, eine Baustelle auf der Strasse, oder eine allseits bekannte Batman Maske, die an einer WC-Tür hängt und verwandelt sie in Gemälde deren Betrachtung Zeit und Ruhe fordert. Im gleichen Maße fordern sie dies auch vom Künstler. Han Schuil arbeitet langsam, jedes Gemälde entwickelt ganz allmählich seine eigene Identität, distanziert sich vom Original und bleibt doch untrennbar damit verbunden. Schuil selbst bezeichnet dies als den `Signaleffekt´seiner Werke. Mit alltäglichen Formen als Köder lockt er die Betrachter in seine Bilder. Hat er sie einmal gefangen, entsteht aus der Unverschämtheit seiner gefundenen Vorlagen ein vielschichtiger Dialog über Farbe und die Geschichte der Malerei. In seinen eigenen Worten haben seine Arbeiten "den Knall eines Verkehrszeichens und die Intensität eines flämischen Primitiven"

Schuil zitiert freimütig und ohne Unterschied aus der Geschichte der Abstraktion und Figuration. Eines der vorherrschenden Motive ist ein Cartoon Auge. Es ist ein allgegenwärtiges, tröstendes Zeichen, welches wir mit einer Reihe von kindlichen Traditionen, von Disney bis zum Manga, assoziieren. Außerdem ist es anonym, wir wissen nicht von welcher Figur es ursprünglich stammt. Durch die Manipulation des Künstlers wird es allsehend, wie die Augen die uns folgen wenn wir uns von einem Vermeer oder Rembrandt entfernen. Genauso gut kann das Motiv auch als eine einfache, abstrakte Form interpretiert werden. Die all-over Struktur die viele seiner jüngsten Werke kennzeichnet spielt eine ähnliche Rolle. Einerseits erscheint sie abstrakt, andererseits erinnert sie an zerbrochene Eierschalen, blutunterlaufene Augen oder die gesprungene Lasur eines altmeisterlichen Gemäldes. In den "Blast" -Gemälden lässt er eine Explosion erstarren: ein großer Knall im Herzen des Werkes, der einen auch an billige Sonderangebotstafeln in den Schaufenstern von Metzgerläden oder Bekleidungsshops denken lässt. Für deutsche Betrachter ist die Explosion fast untrennbar mit dem Logo der Zeitschrift STERN verbunden, eine unbeabsichtigte Assoziation, die einmal mehr die vielen Leben verdeutlicht, die Schuils Werken innewohnen.

Diese Idee des Unfalls oder der Explosion überträgt Schuil in die drei Dimensionen seiner Gemälde. Oft bemalt und verbiegt er Aluminiumschachteln die von der Wand in den Galerieraum drängen. Mit der Kreation dieser Schachteln möchte er keinesfalls die Beziehung der Farbe zu ihrem Untergrund hinterfragen, auch die Grenze zwischen Malerei und Skulptur interessiert ihn dabei wenig. Viel eher sieht er diese Schachteln als integralen Bestandteil der von ihm geschaffenen Bilder. Ein Auto hört nicht auf ein Auto zu sein, nur weil man es verbiegt, auch wenn seine Anmutung durch diesen Vorgang beeinflusst wird. Schuils verbeulte Oberflächen vollziehen einen ähnlich transformativen Prozess: er verändert seine Bilder, aber es bleiben doch die gleichen Bilder. Eine weitere, clevere Transformation erzielt Schuil durch die Verwendung von pulverartigen Farben, die das Aluminium wie zerknittertes Papier wirken lassen. Letztendlich sind Schuils Gemälde keine kritische Auseinandersetzung mit der Moderne oder der Abstraktion, oder gar mit der zeitgenössischen Gesellschaft. Vielmehr sind seine Arbeiten leise Verabredungen mit der Geschichte der Malerei und der Rolle die sie in unserem Leben spielt. Er veranlasst uns die Funktionsweise der Bilder in unserer temporeichen Welt zu überdenken und beweißt dass die Malerei  immer noch die Macht hat uns unerwartet zum Innehalten zu veranlassen.

Han Schuil wurde 1958 in Voorschooten, in den Niederlanden geboren. Seine Werke wurden in Galerien und öffentlichen Institutionen in Europa, Südamerika und Asien ausgestellt. Er ist in zahlreichen namhaften Sammlungen seines Landes vertreten einschließlich AEGON und ABN AMRO ebenso in bedeutenden Museen wie unter anderen dem Stedelijk Museum, Amsterdam und dem Museum voor Moderne Kunst in Brüssel. Er lebt und arbeitet in Amsterdam.