schwarz // weiß

 

Eröffnung: Freitag, 13. September 2013, 18 Uhr
Ausstellungsdauer: Freitag, 13. September – Samstag, 19. Oktober 2013
 

Frank Badur (DE), Ronald de Bloeme (NL), Marsha Cottrell (US), Mikala Dwyer (AU), Nuria Fuster (ES), Alan Johnston (UK), Judy Millar (NZ), Francois Morellet (FR), Jan van der Ploeg (NL), Ragna Robertsdottir (IS), Han Schuil (NL), Allyson Strafella (US), Alan Uglow (GB), Gordon Walters (NZ)

Die Hamish Morrison Galerie freut sich sehr, die Berliner Kunstsaison im Herbst mit einer großen Gruppenausstellung zu eröffnen.
 
Wohl kein anderer Kontrast ist derart grundsätzlich, wie der Gegensatz von Hell und Dunkel. Dies gilt keineswegs nur für die Kunst, sondern ganz existentiell. Man braucht sich nur zu vergegenwärtigen, wie stark wir in den ständigen Wechsel von Tag und Nacht eingebunden sind. Daher steht bereits in der Schöpfungsgeschichte am Beginn die Schaffung des Lichts und seine Trennung vom Dunkel. In der Kunst spitzt sich dieser Grundkontrast auf die ausschließliche Verwendung von Weiß und Schwarz zu. Er ist wesensmäßig für jede Art grafischer Kunst und besonders ihr zu eigen, wie keiner anderen künstlerischen Gattung oder Technik. Sei es die Verwendung des einfachen Bleistifts oder von Tusche, von Druckerschwärze oder anderen schwarzen Farben, von schwarzen Klebestreifen oder ausgeschnittenem schwarzen Karton auf weißem Papier, wie bei Scherenschnitt oder Collagen – immer manifestiert sich der gleiche grundsätzliche Kontrast, visuell jedoch ohne eine Bevorzugung des einen oder des anderen Teils: Weiß hat den gleichen Wert wie Schwarz, auch wenn prozessual meist das Schwarz auf den vorgegebenen weißen Grund gesetzt wird (sprichwörtlich "Schwarz auf Weiß"). Durch den Verzicht auf die Farbe oder die Plastizität wird die Spannweite der Gestaltung zwar eingeschränkt, aber die Konzentration auf flächige, a-perspektivische, abstrakte Zeichensetzung oder auch auf verschiedene Strukturen erleichtert, besonders bei homogenen Flächen.
Aufgrund der sowohl dekorativen wie auch der möglichen emotionalen Qualitäten haben bereits Jugendstil und Expressionismus das reine Schwarzweiß bei homogener Flächigkeit geschätzt. Später wurde es wegen der Rationalisierbarkeit der formalen Elemente besonders von der konstruktiv-konkreten und systematischen Kunst, aber auch von Vertretern der amerikanischen Minimal und Post-Minimal Art verwendet. Für heutige Künstler sind solche exklusiven Begriffe weniger verbindlich, doch auf den Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte bauen auch sie noch auf. Durch das reine Weiß und Schwarz lassen sich zahlreiche Möglichkeiten der Gegenüberstellung oder Verschränkung von positiven und negativen Formen und Mustern darstellen. Auch der Realisierung verschiedener Flächenrhythmen kommt das homogene Schwarzweiß/Weißschwarz sehr entgegen, etwa bei Streifen- und Rasterstrukturen, die heute aber auch oft durch Irritationen konterkariert werden. Damit entwickeln Künstler auf der Basis dieses reinen Kontrasts sowohl zeitgenössische als auch wegen seiner Grundsätzlichkeit geradezu zeitlos wirkende Formerfindungen.


 Matthias Bleyl