ANDREY KLASSEN, Wenn ich nicht zu Hause bin

 

Eröffnung: Freitag, 7. September 2012, 18 Uhr
Ausstellungsdauer: Freitag, 7. November – Samstag, 20. Oktober 2012

Was immer dringend nötig ist, das ist das Zeichnen, und ob man das nun gleich mit dem Pinsel macht oder mit etwas anderem, etwa mit der Feder - man zeichnet nie genug.“ (Vincent van Gogh)

Die Hamish Morrison Galerie freut sich außerordentlich, die dritte Einzelausstellung des jungen russischen Künstlers Andrey Klassen (*1984) unter dem Titel `Wenn ich nicht zu Hause bin´ in ihren Räumen in der Friedrichstraße zu präsentieren.

In seinen neuesten Arbeiten offenbart uns Andrey Klassen erneut die unendliche Vielfältigkeit der Tuschemalerei. Dabei mag diese Faszination nicht nur in der technischen Fertigkeit des Künstlers begründet sein. Gekonnt bewegt sich Klassen durch die verschiedenen Szenerien, deren Inhalte uns manchmal traumhaft, surreal, dem Märchen entsprungen, mythisch, der Kunstgeschichte entlehnt oder auch dem Alltag entnommen scheinen. Diesem breiten inhaltlichen Spektrum entgegen steht die formale Konzentration des Künstlers: Seine Mittel sind fast ausschließlich schwarze Tusche auf Papier und nur sehr selten findet Farbe Eingang in seine Bildwelten.

Klassen bedient sich mit seinen virtuosen Pinselzeichnungen eines Mediums, das von je her die Verbindung von Malerei und Zeichnung verkörpert und sich auf eine Jahrhunderte alte Tradition mit ihrem Ursprung im ostasiatischen Raum zurückführen lässt. Strebt der Maler eines japanischen Tuschebildes danach, mittels der Pinselführung und der reduzierten Gestaltung das Wesen, den inneren Gehalt des Dargestellten auszudrücken, so erschafft Klassen auf ganz andere Weise scheinbar nie endende Erzählräume.

In dem den Ausstellungstitel gebenden Werk begegnen wir einem Reigen raffiniert ausgearbeiteter Gestalten, die hervorzukommen scheinen, `wenn ich nicht zu Hause bin´. Schichten um Schichten schwarzer Tusche bilden stellenweise so verdichtete Farbgründe, dass das Schwarz einen silbrigen Schimmer erlangt und sich die Figuren zu wandeln scheinen: Je nach Standpunkt vermögen wir mit jedem neuen Blick immer wieder etwas zu erkennen, was uns zuvor verborgen war.

Werden wir uns dagegen der stillen Melancholie von `Verschwinden´ gewahr. Fast einem Theater ähnlich, wie durch Bühnenprospekte gestaffelt eröffnet sich die Szene. Doch können wir uns sicher sein, ob wir Vorder- und Hintergründe sehen? Sind wir selbst auf der Treppe stehend Zeuge des Geschehens oder überlagern sich zahlreiche Schatten?

Oft beschleicht uns beim Betrachten der Arbeiten des jungen Künstlers ein Gefühl des Bekannten, des Wiedererkennens, von Vertrautheit: Haben wir dies schon ein Mal gesehen? Darüber gelesen, davon geträumt? Wir scheinen die Erscheinungen und die Zustände zu fühlen, die Klassen uns anbietet, als wären sie aus einem kollektiven Unterbewusstsein geboren.

Sei es also, dass wir uns in einer kirchenraumähnlichen Bar – oder einem barähnlichen Kirchenraum? – befinden, erstaunt sind ob der tiefen Perspektive, die der Künstler in `Helden der Unterwelt´ allein mit der schwarzen Farbe erzeugt, oder uns im `Schwindel´ fragen, wo wir sind, was wir überhaupt sehen, woran wir uns festhalten können...

Es gelingt Andrey Klassen immer wieder auf meisterhafte Art und Weise, den Betrachter in den Bann seiner Zeichnungen zu ziehen. Und so werden wir von ihm dazu verführt, unsere normale und gewohnte Realität zu verlassen, wenn wir nicht zu Hause sind.

Andrey Klassen wurde 1984 in der sibirischen Stadt Irkutsk, Russland, geboren. Er studierte von 2005 bis 2010 an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden und ist dort derzeit Meisterschüler bei Professor Ralf Kerbach. Im Jahr 2009 erhielt er den DAAD-Preis für herausragende Leistungen. Klassen nahm bereits an zahlreichen Ausstellungen in Russland teil, aber auch in Deutschland, Österreich und Spanien. Seine Werke sind bereits in namhaften europäischen und amerikanischen Sammlungen vertreten. Anlässlich seiner zweiten Einzelausstellung in Berlin erschien im vergangenen Jahr der Katalog „Café Raduga“. Andrey Klassen lebt und arbeitet in Dresden.