Sophia Schama, Urban Jungle

Eröffnung: 31. Oktober 2008, 18 Uhr
Ausstellungsdauer: 1. November - 6. Dezember 2008


“ When I consider every thing that grows
Holds in perfection but a little moment “
William Shakespeare, Sonette

“ Es gibt eine Baumwanderung, wie es eine Völkerwanderung gibt-..........“

“ Zwischen den Vorhängen und den Spalten der Rolläden quoll dunkles Grün auf, dünne Bänder weissen Morgenschaums schlangen sich hindurch.........“
Robert Musil, Nachlass zu Lebzeiten

Die Hamish Morrison Galerie freut sich, die nunmehr fünfte Einzelausstellung der in Berlin lebenden Künstlerin Sophia Schama präsentieren zu können. In den letzten zwei Jahren waren zahlreiche Werke Schamas in Einzelausstellungen in Belgien und Deutschland sowie in zahlreichen namhaften Gruppenausstellungen zu sehen. Unter anderem in:  `Living Landscapes - A Journey through German Art´ in Peking, `Garten Eden: Der Garten in der Kunst seit 1900´ in der Kunsthalle Emden, `Six Feet Under´ im Deutschen Hygiene Museum in Dresden sowie in `Daydreams & Dark Sides´ im Künstlerhaus Bethanien in Berlin.

Unter dem Titel `Urban Jungle´ zeigt die Hamish Morrison Galerie mit den neuesten und bisher großformatigsten Gemälden (210 x 340 cm/ 340 x 210 cm), Arbeiten, die einen weiteren Wendepunkt im Schaffen der Malerin markieren. Die bisher motivisch vorherrschende Vision von der Rückeroberung künstlicher Räume durch die Natur, wird nun, deutlicher als je zuvor, überlagert von der Kraft der Malerei.

Auf zwei der hochformatigen Werke quellen aus einer kräftig roten Fläche tiefgrüne, üppige Farbbänder, als hätten sich die einzelnen Gräser zahlreicher Grasvariationen Schamas zu einem neuen, temporären Organismus vereint, der nun mit geballter Kraft hervorbricht. Bereits vertraute Motive und Techniken führt Schama auf den atelierfrischen, großformatigen Leinwänden mit einem jetzt raueren Duktus zusammen. Das `Gestrüpp´, das in ihrer letzen Ausstellung noch in feingliedrigen Traumlandschaften aus Grautönen wuchs, bündelt sich nun zu wuchernden Wurzeln in vielfältigen Erdtönen. Vormals ruinöse Innenräume der Serie `Das versprochene Land´ haben sich in geschlossene, wenn auch bröckelnde Fassaden gewandelt. Aufgesetzte Fensteröffnungen hängen an den Wänden wie Bilder im Bild, die jedoch nichts als Dunkelheit in Zaum zu halten scheinen.

Jetzt prescht die Unnatur der Natur in die Städte. Dementsprechend halten andere Techniken Einzug in Schamas Malerei. Trompe l´œils von Hauswänden oder Holzfußböden, Sprühtechnik, mal in Form neonfarbener Schlingen oder dichter Knäuel, die an Graffiti erinnern. Doch wie aufgesetzte Linien ziehen sich die gesprühten Bildelemente über die Leinwand und lassen deren Zweidimensionalität auf aufregende Weise bewusst werden. Schama unterstreicht diesen Eindruck auf einigen Gemälden durch breite, flächige Farbverläufe, die sie mal über die ganze Bildbreite und mal über einen Ausschnitt des Gemäldes legt.

Schamas neue Gemälde führen uns mitten hinein in die seit langem tobende Debatte um die zeitgenössische Malerei. Sie scheint eine Vielzahl von diskutierten Fragen gleichzeitig zu stellen. Fragen nach Gegenständlichkeit, Abstraktion, Ungegenständlichkeit, nach Raumillusion, Komposition, Licht, Fläche, Farbe, Form und Technik.

Alles ist, war und bleibt doch immer Malerei. Alles ist, war und bleibt doch immer eine Diskussion mit einer spannungsreichen Vielfalt von möglichen Fragen und Antworten, die nie zu einem endgültigen Ergebnis führen kann. Dabei ist Schamas Malerei alles andere als beliebig. Sie lässt uns auf virtuose Art Zeuge ihrer Fragen und Entscheidungen werden, um am Ende Gemälde zu erschaffen, die geschlossen, stimmig und offen zugleich sind.

Ihre Gemälde führen in sich die sonst oft zu theoretische, meist redundante Diskussion über Leben und Sterben, Zwänge und Möglichkeiten, Berechtigungen und Anachronismen der zeitgenössischen Malerei. Sie komponiert die gestellten Fragen und möglichen Antworten mit einer kenntnisreichen Lust am Malen, die das vollbringt, was kaum theoretisiert werden kann, die Lust am Betrachten, die Magie des Ganzen, die soviel mehr ist als die Summe ihrer Einzelteile.