Eröffnung: Freitag, 11. September, 18 Uhr
Ausstellungsdauer: 11. September - 24. Oktober 2009
Die Hamish Morrison Galerie freut sich mit „Diktatur" ihre zweite
Einzelausstellung des in Berlin lebenden niederländischen Malers Ronald
de Bloeme (*1971) zu zeigen.
Mit einer Armee billboardgroßer
Arbeiten gleichen Formats hinterfragt de Bloeme die
Vermittlungsstrategien und den Informationsgehalt visueller
Zeichensystemen, wie beispielsweise von Verpackungsmaterialien oder
Werbebotschaften, und reflektiert damit den Absolutismus heutiger
Kommunikationsprozesse.
In einer Zeit in der das Medium des Bildes das der Sprache immer
stärker verdrängt, analysiert der Künstler die Entstehung von
bildlichen Signalen und die Bestandteile ihrer Überzeugungskraft. Wie
gelingt es Produzenten visueller Sprache die vermeintlich neutralen
Formen und Farben so zu manipulieren, dass sie bei einer größtmöglichen
Zahl von Individuen einer genau definierten Zielgruppe einen
unbewussten Identifikationsprozess herbeiführen? In welchem Maß
beschwört Rot neben Weiß eine Flagge oder die Verpackung eines
Schokoriegels?
Durch Aneignung, Dekonstruktion und Manipulation
transformiert Ronald de Bloeme mittels des Computers die Bildvorlagen
der Konsumgesellschaft. Er zensiert vorhandene Textzeilen und
eliminiert alle gegenständlichen Hinweise, um so zu einer rein
geometrischen Sprache zu finden, die er in spannungsreichen
Kompositionen erneut zusammengefügt, verzerrt und mittels einander
überstimmender farbkräftiger Lackschichten auf die Leinwand überträgt.
Analog zur Intention der originären Werbeträger entstehen somit
übergroße Farbflächen mit suggestiver Wirkung, die allein durch ihre
Konstruktionsmittel und Farbbeziehungen bestechen.
„Man weiß beim Betrachten oft nicht, was mehr gefällt: die
Meisterschaft, mit der der Künstler Verschiedenstes zu neuer Einheit
fügt, oder die verbliebenen feinen Unebenheiten, die das Zeichen seiner
Handarbeit sind."(1)
Durch die Collagierung der uns alltäglich vermittelten Aufrufe der
Warenwelt bilden de Bloemes Werke ein heterogenes Kraftfeld von
Spannungen und Widersprüchen, von Bestimmtheit und Unbestimmtheit. Der
ursprüngliche Kontext ist nicht als solcher erhalten, sondern weckt die
Erinnerung an eine Wahrnehmung oder an einen Wissenskonsens; die
Informationen, die als Codes erhalten bleiben, affizieren uns, ohne das
wir beschreiben könnten warum. Sind wir nicht längst hauptsächlich
Träger verinnerlichter Decodierungssysteme gelenkt durch die immer
weiter reichenden propagandistischen Zeichensysteme der Diktatur des
Konsums?
Während de Bloemes Farbkombinationen einerseits als
Chiffren identifizierbar bleiben, ergeben sich ebenso Muster anderer
begrifflicher Zeichensysteme. Der Künstler bringt damit die Relativität
von Informationen in ein produktives Spiel. So mischt er in seinem
Gemälde Ironie ein militärisches Codesystem mit der Ästhetik einer Papierserviette oder ersetzt in Extract in noch radikalerer Manier alle relevanten Kerninformationen durch fortwährend oxidierende Goldpigmente.
Mit
seiner „Gegen-Manipulation" fordert er uns auf, zu ermessen, welche
komplexe Struktur hinter den Kommunikationsstrategien für Konsumgüter
stecken, wie viel Macht sie über unser Unterbewusstsein haben und in
welchem Umfang sie unseren Alltag bestimmen und kontrollieren.
Ronald de Bloeme studierte 1992-1996 Malerei an der Willem de
Kooning Akademie in Rotterdam. Im Jahr 2000 erhielt er ein Stipendium
des Internationalen Atelierprogramms des Künstlerhauses Bethanien und
wohnt und arbeitet seitdem in Berlin.
Nach seiner Auszeichnung mit
dem Vattenfall Kunstpreis Energie 2007 wurden seine Werke in
Einzelausstellungen in der Berlinischen Galerie, Pharos Centre for
Contemporary Art Zypern und dem Stedelijk Museum Schiedam gezeigt und
waren darüber hinaus in öffentlichen Gruppenausstellungen wie dem
Substitut in Berlin, Raum 2810 in Bonn und der Kunstsammlung Gera zu
sehen.
(1) Christoph Tannert: Visuelle Reizleitungen, in: Vattenfall Europe Mining et al. (Hrsg.): Ronald de Bloeme. Piracy, Kehrer Verlag, Heidelberg 2008.
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Mit freundlicher Unterstützung der Botschaft des Königreichs der Niederlande