Im Büro: Roland Fuhrmann 3DIm Büro: Roland Fuhrmann 3D

Roland Fuhrmann, Im Büro

Eröffnung: Freitag, 19. Juni 18 Uhr
Ausstellungsdauer: 19. Juni - 1. August 2009


Parallel zur Ausstellung „Parade - The Presence of Beauty" von Max Gimblett zeigt die Hamish Morrison Galerie Im Büro Arbeiten des Künstlers Roland Fuhrmann.
Roland Fuhrmann (*1966 in Dresden) hat in Halle und in Paris bei Christian Boltanski studiert und erhielt 1997 sein Diplom in Plastik und Metall. In seinem vielseitigen Werk behandelt der Künstler Themen wie (deutsche) Vergangenheitsaufarbeitung und dokumentiert sozialpolitische Zu-/Missstände.
Das künstlerische Spektrum des Künstlers reicht von Fotografie über Video bis zu Installationen, wobei häufig raffinierte technische Details sein Werk charakterisieren.

In der Werkgruppe „Fest der Schönheit" werden in schwarzen Kästen gerahmte Aufnahmen des olympischen Dorfes von 1936 in Wustermark nur dann flackernd sichtbar, wenn der Betrachter mit einer Kurbel Strom und damit Licht erzeugt. Der Verfall und die abblätternden Farbschichten machen die Zeitüberlagerung der Nutzer des ehemaligen Sportareals deutlich: Olympiade, Wehrmacht, Rote Armee... Mit der Kurbel werden die Bilder wie ein flackernder Film zurück ins Bewusstsein geholt und wecken Erinnerungen an Leni Riefenstahls gleichnamigen Olympiafilm von 1936.

In der Fotoserie „Treetop castles, Part 1" wuchern die Wipfelburgen in den Wäldern Aquitaniens wie Schwittersche Merzbauten oder Nester einer noch unentdeckten Spezies. Die 25 m hohen „Palombières" sind mit einer Küche und Aufenthaltsraum für bis zu 10 Personen, manche sogar mit WC und Fahrstuhl ausgestattet. Einen Monat lang dienen sie der Jagd auf Ringeltauben. Das Jahr über sind sie der Wochenend-Treffpunkt der Gruppe. Vergleichbar ist dieses Phänomen am ehesten mit dem deutschen Schrebergarten. Nur das hier im Wald der Kreativität der Baumeister keine Grenzen gesetzt sind, schon gar nicht durch Bauregeln, Genehmigungen und Statik. Es sind Monumente der anarchischen Architektur. Die beiden Fotos der Serie „Palombière Laffargue" zeigen das beinahe luxuriöse Innere der Baumhäuser sowie den Blick nach draußen. Nur der eigenartige Lichtfall und der Blick ins Geäst verrät die Höhe von 20 m. Der Wald wurde künstlich zu einem so genannten Teppich getrimmt - ein Meisterwerk der Gartenkunst und wie ein Trompe l'œile nur von einem Punkt aus sichtbar.


In dem Video „Die Missglückte Jugendzeit" thematisiert Fuhrmann die Geschichte seiner eigenen Familie. Die Nadel eines Grammophons senkt sich auf die Schallplatte und ein melancholischer Trompeter beginnt zu spielen. Fotos schieben sich ins Bild, Familienfotos junger Leute der 30er Jahre. Das Kichern einer Frau mischt sich in das Trompetenspiel. Dann lacht auch der Trompeter mit und beide steigern sich in apokalyptische Lachsalven des „nichts mehr zu verlieren Habens". Die eingeblendeten Familienfotos werden immer seltsamer und zeigen den beginnenden Wahnsinn des Dritten Reiches, wie er in das private Leben einer kleinbürgerlichen Familie eindringt. Der Film endet mit dem letzten gemeinsamen Foto: der Mann in Uniform vom Fronturlaub, bevor er für immer in Stalingrad verschwindet. Das Lachen verhallt blechern und die Nadel dreht knisternd ihre leeren Kreise. Die Fotos wurden von Roland Fuhrmanns Großvater aufgenommen und in der Nachkriegsangst vernichtet. Kürzlich entdeckte der Künstler die vergessenen Negative und zusammen mit der titelgebenden Grammophonplatte aus dem damaligen Besitz des Großvaters entstand dieser Film.

Der Film „Blackout" zeigt das Brandenburger Tor als Berlins beliebteste Touristenkulisse. Auch nachts wird das Tor für immer der Finsternis entrissen und leuchtet wie Kunststoff. Doch was passiert, wenn plötzlich das Licht ausfällt und Dunkelheit das Gebäude einhüllt? Dann scheint man Stimmen zu hören und für einen Moment ertönt die dunkle Vergangenheit dieses historischen Ortes. .