NURIA FUSTER, Structure Events

AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG: Freitag, 12. Dezember, 18 Uhr
AUSSTELLUNGSDATEN: 12. Dez. 2008 - 21. Feb. 2009

Die Hamish Morrison Galerie freut sich, die erste Ausstellung der spanischen Künstlerin Nuria Fuster (* 1978- ES) in Deutschland präsentieren zu können.

In einer primär durch Marktlogik beherrschten Gesellschaft muss der eingenommene Platz gerechtfertigt sein. Ein altmodischer oder zerbrochener Gegenstand, der seine Funktion nicht mehr erfüllt, verdient es nicht mehr in diese Welt zu gehören. Nur in seltenen Fällen besitzen diese Gegenstände noch einen Mehrwert, sei er merkantil oder historisch, der ihre Reparatur und Wiedereingliederung ins tätige Leben rechtfertigt oder ihnen aufwendig restauriert den Weg in eine Vitrine z.B. in einem Museum ebnet. In der Regel jedoch wird Zuverlässigkeitsmangel nicht geduldet, alles ist schließlich austauschbar. Die Gegenstände werden zu Abfall.

Nuria Fuster interessiert sich für diese Überbleibsel und setzt sie in eine Beziehung zueinander deren Wechselwirkung einen neuen Dialog entstehen lässt. Sie schenkt uns die Möglichkeit unser durch Zweckmäßigkeit geprägtes Verhältnis zu unserem eigenen Alltag zu erneuern und Schönheit und Überraschung da zu entdecken, wo man sie normalerweise nicht mehr sieht. Als Träger von Spuren der Gewalt, der Erschöpfung, des Bruches, der Ungehörigkeit sind diese Gegenstände anachronistisch und größtenteils außer Gebrauch. Die Künstlerin spielt mit dem Raum, sie überträgt, sie richtet ihn ein, je nach dem was er ihr erzählt, sie rekonstruiert ein mehr oder weniger stabiles oder prekäres Gleichgewicht, welches jedoch immer mit einer neuen, eigenen Harmonie ausgestattet ist. Ähnlich dem Schauspieler, dessen persönliche Geschichte es ihm erlaubt eine komplexe Rolle mit immer neuen Emotionen anzureichern, bringen diese Gegenstände ihre eigene Persönlichkeit in diese neue Inszenierung ihres und unseres Lebens. Fuster mag diese verbrauchten Objekte, Überbleibsel unserer Gesellschaft, die von Abdrücken und Spuren bedeckt sind, die wie Falten in einem Gesicht die Geschichte eines Lebens erzählen. Sie sprechen zu ihr in einer Sprache die `uns´ erzählt, die von unserem Leben spricht.

Habitación de Brandemburgo, 2007 besteht aus den Resten eines Sessels die mit einer Tür und senkrecht stehenden Schubladen durch leere Keilrahmen verbunden sind. Die Skulptur erzeugt den Eindruck eines Salons, den wir geistig, aufgrund der Inszenierung und einer gleichzeitig kühnen und eleganten Gestaltung des Raumes rekonstruieren. Nuria Fuster erforscht die eigentümlichen und allgemeinen Aspekte unseres Lebens durch die Gegenüberstellung von Material, Technologie, Schwerkraft, Gleichgewicht und Raum (LUX, 2006). Sie illustriert durch eine scheinbare Unausgewogenheit die Zerbrechlichkeit, die unseren Alltag kennzeichnet. Insoweit als die physische Realität einem von der Welt reduzierten Teil entspricht, in der man das Seiende nicht reduzieren kann, zeigt uns Fuster, dass die Fokusierung auf das bloße Gebrauchspotential dessen was uns umgibt gleichzeitig unsere Wahrnehmung der Realität reduziert. Die Künstlerin versammelt nicht nur zwei zerbrochene Stühle und ein Schubfach, sondern Fuster schafft Werke, die sich in einen komplexeren Prozess einschreiben. Sie sublimiert den Alltag indem sie für den Gegenstand eine künstlerische, subjektive und empfindsame Funktion schafft. Der Nutzwert ist nicht mehr signifikant sondern sublimiert, er wird ein Verweis, wie der Stil, die Form oder die Epoche.

Diese Zusammenstellungen führen zu Unstimmigkeiten, die unsere Aufmerksamkeit erregen.Scheinbarer Widersinn erlaubt es uns oft zu einer unmittelbaren Wahrheit vorzudringen.UnderTheAir, 2007 ist eine Installation künstlerischer Medien in diesem Sinne, welche den Betrachter auch dazu einlädt über die Kunst selbst zu reflektieren. Nuria Fuster lehnt das Gesetz des Konsumismus als Alpha und Omega des Lebens ab. Sie verlängert und erweitert das Leben von Gegenständen nicht nur technisch sondern auch spirituell: als Spiegel der Gesellschaft in der wir uns entwickeln, als ironische Überhöhung der Gegenstände deren Lebensdauer unvergleichlich viel länger sein kann als die Unsrige, die wir sie verachten, als Anlass unseren eigenen Gebrauchswert in der Gesellschaft zu hinterfragen.