Mikala Dwyer, Square Cloud Compound

 

Eröffnung: Freitag, 10. September 2010, 18 Uhr

Ausstelungsdauer: 10. September - 23. Oktober 2010


Die Hamish Morrison Galerie freut sich außerordentlich, eine neue Ausstellung von Mikala Dwyer  zu präsentieren. Square Cloud Compound ist ihre zweite Einzelausstellung hier in der Galerie, und entwickelt sich aus Installationen der Künstlerin im Rahmen der diesjährigen Biennale in Sydney und Adelaide. 

Dwyers Interesse gilt seit mehreren Jahren dem Okkulten. In einigen ihrer Werke lässt sie zum Beispiel Handleser ihre Dienste anbieten, oder sie arrangiert Kreise bestehend aus seltsamen Objekten die wie auf geheimnisvolle Art mit uralter Zauberkraft aufgeladen wirken. Die aktuelle Installation hebt ihr Interesse an Magie und Parallelwelten auf ein neues Niveau. Durch die gleichzeitige Verwendung zahlreicher, unverkennbar mit ihren Arbeiten verbundenen Materialien, schafft sie einen Ort, der uns über die Grenzen von Zeit, Raum und Geographie hinaus führt.

Die zentrale Struktur des Cloud Square Compound besteht aus zusammengenähten Quadraten farbiger Stoffe, ein improvisiertes konstruktivistisches Gebilde, gehalten von Strümpfen, die bis zum Zerreißen gespannt sind. Die mit Streifen der Gefangenenkleidung bemalten Masten, welche die Strümpfe spannen, spielen verschiedene Rollen - Sie sind Laternenmasten, Totempfähle und Galgen. Gleichzeitig verleihen sie der Installation auch eine unheimliche menschliche Präsenz, wie launenhafte Folterschergen während des Einsatzes einer Streckbank.

Diese Verweise auf Gefängnisse sind nicht zufällig: Dwyer wurde kürzlich beauftragt, eine große Installation auf Cockatoo Island, einer der wichtigsten Schauplätze der diesjährigen Biennale von Sydney und dem Gelände eines ehemaligen Gefängnisses zu produzieren. Diese Verbindung mit ihrer Biennalearbeit wird noch deutlicher in zwei Videos, die in Zusammenarbeit mit Justene Williams entstanden. In einem Video klettern zwei Frauen in Gefängniskleidung an den Wänden eines kreisförmigen Luftschutzraums auf Cockatoo Island empor, während sie Metallbefesti- gungen in die Wände hämmern. In dem zweiten Video, sieht man die selben Frauen, diesmal in eine Art Post-Punk-Glamour gekleidet, um die Höhle kriechen, in der Dwyers Arbeit für die Sydney Biennale installiert wurde. Beide Videos haben einen surrealen Ansatz. Man kann sie aber auch als eine Art verspielte Hommage an konstruktivistische Visionen der Zukunft lesen. Die vielleicht wichtigste Lesart von allen jedoch, ist der Verweis auf den historisch aufgeladenen Ort Cockatoo Island: nicht nur wegen seines Status´ als ehemaliges Gefängnis, sondern auch aufgrund seiner späteren Inkarnation als Schule für missratene Mädchen, die nicht selten von ihren Inselwachen missbraucht wurden.

Neben dieser Beschwörung der Geister aus Sidneys Vergangenheit, vollbringt Dwyer einen weiteren Akt der Magie. Sie lässt ein Feld aus aluminisierter Folie durch die Galerie treiben, eine schwebende Welt, gehalten durch eine völlig andere Art der Verbindung: Helium-Gas, welches Ballons in Form von Nullen füllt - Formen, die gleichzeitig Assoziationen mit Kreisen, Löchern, Fluchtwegen oder Neuanfängen wecken.

Voller Ungewissheiten und Widersprüche, entziehen sich Dwyer's komplexe Installationen beharrlich einer endgültigen Interpretation. Ihre Arbeit wurden auch als "profoundly sociable " beschrieben; Sie fordert die Besucher auf hereinzukommen, sich zu beteiligen und ihre eigenen Deutungen herauszufinden. Sie kreiert einen Dialog mit dem Betrachter dessen Ausgang ungewiss bleibt, der die Aufmerksamkeit auf das Unsichtbare - die nicht sichtbaren Materialien wie Helium oder die Hohlräume zwischen den Formen, aber auch auf versteckte Geschichten und unserer eigenen, höchst persönlichen Beziehungen zu Magie, Gedächtnis, Sexualität und Ritual lenkt. Auf den ersten Blick erscheinen Dwyers Installationen verspielt und ausgelassen, doch verbirgt sich fast immer etwas Dunkleres unter ihrer Oberfläche. Die Frage die Dwyer uns stellt lautet: sind wir bereit danach zu suchen?

Seit mehr als zwanzig Jahren hat Mikala Dwyer die Grenzen der Installation, Skulptur und Performance beständig erweitert und zählt mittlerweile zu den bedeutendsten zeitgenössischen KünstlerInnen Australiens. Sie hatte Einzelausstellungen in bedeutenden Institutionen, wie dem Museum of Contemporary Art, Sydney und dem Museum of New Zealand Te Papa Tongarewa. Neben der Teilnahme an den Biennalen in Sydney und Adelaide war siean folgenden Ausstellungen beteiligt: Face up: `Zeitgenössische Kunst aus Australien´ im Hamburger Bahnhof (2003), Verso Süd im Palazzo Doria Pamphili in 2000, kuratiert von Franz West. Sie hat mehrere Stipendien, unter anderem auch in der Dunedin Public Art Gallery, 200 Gertrude Street, Melbourne und Chapter Arts Centre, Cardiff. Sie hat zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten, und ihre Arbeit ist wesentlicher Bestandteil öffentlicher Sammlungen in Australien und Neuseeland.