Max Gimblett, Parade - The Presence of Beauty 3DMax Gimblett, Parade - The Presence of Beauty 3D

MAX GIMBLETT, Parade - the Presence of Beauty


ERÖFFNUNG: FREITAG, 19. JUNI, 18 Uhr
AUSSTELLUNGSDAUER: 19. JUNI - 1. AUG. 2009

Peitsche, Seil, Person und Ochse
Alles verschmilzt in der Nicht-Dinglichkeit.
Dieses Universum ist so weit,
dass keine Botschaft es entfärben könnte
Dort sind die Spuren unserer Vorfahren.
(Zehn Bilder vom Ochsenhirt, Bild 8)

Die Hamish Morrison Galerie freut sich, den neuseeländischen Künstler Max Gimblett (* 1935) zum ersten Mal in Deutschland präsentieren zu können. Sein Werk erfreut sich einer besonderen Anerkennung in seinem Heimatland zu dem er zahlreiche Verbindungen unterhält, vor allem aber in den USA, wo er seit den siebziger Jahren lebt. Seine Arbeiten wurden in diesem Jahr im Guggenheim Museum New York im Rahmen der Ausstellung The Third Mind gezeigt.

Das Werk von Max Gimblett zeichnet sich durch Gemälde und Zeichnungen von hoher Virtuosität und einer großen Finesse aus, welche ein Bindeglied zwischen verschiedenen Kulturen herstellen. Die Berührung mit Künstlern wie Brice Marden, Robert Motherwell und Jackson Pollock hatte großen Einfluss auf seine Malerei im Hinblick auf den abstrakten Expressionismus. Darüber hinaus zeigt sich seine kulturelle Neugier, die zunächst von der Maorikunst entfacht worden war, im Einfluss, den die asiatische Kultur seit den achtziger Jahren auf seine Arbeit und sein Leben ausgeübt hat.

Mit dem griechischen Wort Téménos, welches den Ort eines Heiligtums bezeichnet, evoziert Gimblett in der Beschreibung des Ausstellungsraumes nicht die religiöse, sondern die spirituelle Dimension der Kunst. Die technische und ästhetische Finesse seiner Gemälde, die seltene und wertvolle Materialien wie Silber-, Gold- und Palladium-Folien mit traditionellen Materialien und modernen Polymeren kombiniert, führt zu imposanten und faszinierenden Werken. Die besondere Form seiner  Gemälde bricht mit der Konvention, die ein an der Wand hängendes Rechteck automatisch mit einem Kunstwerk oder zumindest einem dekorativen Objekt gleichsetzt. Der Zuschauer wird sich des beinah votiven Charakters des Werkes bewusst, der ihm Zugang zu einer Dimension jenseits von Zeit und Raum verschafft und ihm einen Ort der Meditation eröffnet.

In seiner Bildsprache ist die Bewegung Ausdruck von Energie, Rhythmus und Tanz, an der der Betrachter teilnehmen kann. Diese Beteiligung wird durch die Wahrnehmung der Zeit ermöglicht, durch den Blick auf die Zeit, die nach Gimblett konzentrisch ist. Der Betrachter folgt den Spuren des Pinsels, erfährt den Anfang, die Beschleunigung, die Verlangsamung und die Vollendung der Bewegung. Der Akt des Malens ist für Gimblett keine kühle rationale Handlung, welches im Sinne Decartes das Ich des egozentrischen und stolzen modernen Menschen ausdrückt, sondern das buddhistische Prinzip des Nicht-Selbst von dem das eigene urteilende Ego ausgeschaltet wird. Seine Gemälde drücken intuitiv eine reine Energie aus.

Die Titel der Werke und ihre Formen bezeugen den Reichtum der Inspiration und des Synkretismus des Künstlers sowie sein Interesse an den verschiedenen Kulturen und dem Nachdenken über das Jungsche kollektive Unbewusste. Er scheint zu versuchen, über das  Jungsche Selbst hinauszuwachsen, welches den unbekannten Kern der Persönlichkeit ausmacht, wo sich die Antinomien und das kollektive Unbewusste aussöhnen, verkörpert in den verschiedenen menschlichen Kulturen innewohnenden Mythen in Form bestimmter Zeichen wie dem Kleeblatt (Apricot Garden, Celestial). Mit dem Vierpass und seinem Bezug auf die vier Elemente, Fenster, Blumen im Allgemeinen oder auf die Lotusblüte im Besonderen, versammelt Gimblett die Lebenskräfte und die archetypischen Transzendenzen der menschlichen Psyche.

Dieses Motiv erklärt die meisten wiederkehrenden Bezüge wie der Einfluss des japanischen Malers Senga Gibonni (1750-1837), nach dessen Auffassung Kreis, Dreieck und Quadrat - die Basis für viele Werke Gimbletts –allein das Universum ausmachen. (The Gaze - For Jackson Pollock 2008 Guggenheim Enso Serie, 2008). Der Kreis, der nach Ansicht des buddhistischen Philosophen Daisetz Teitaro Suzuki die Unendlichkeit ohne Anfang und ohne Ende darstellt, während das Dreieck der Anfang aller Formen ist, und das Quadrat – das doppelte Dreieck den Prozess der Verdoppelung darstellt. Die Annäherung der Serie Guggenheim Enso mit den "Zehn Bildern vom Ochsenhirt", welche die Stufen der Erhöhung im Zen darstellen, ist besonders interessant, vor allem das 8. Bild welches am Anfang dieses Textes zitiert wird: "Der Ochse und das Selbst sind vergessen."

Gimbletts Werk stellt nicht nur eine Synthese vieler in der Kunstgeschichte aufgeworfener Fragen und Antworten dar, sondern auch eine Verknüpfung der Kulturen, indem er gegensätzliche Werte und Prinzipien vereinigt, wie zum Beispiel Kalligraphie und Geometrie, Abstraktion und Realismus sowie ästhetische und philosophischen Thesen von Orient und Abendland. Mit diesen spirituellen Überlegungen und der Annahme der verführerischen Macht der Bilder, des geistigen und des ästhetischen Genusses, erreicht Gimblett in seinem Werk außerdem die Aussöhnung vom Apollinischen und Dionysischen.