Jörg Scheibe, Terminal Beach

Ausstellungsdaten: 12. Januar - 23. Februar 2008

Mit Terminal Beach zeigt die Hamish Morrison Galerie die bereits vierte Einzelausstellung des in Berlin lebenden, 1966 in Ebersbach in Sachsen geborenen Malers Jörg Scheibe.

Architektonische Elemente sind das neue Thema, dem sich Scheibe in seinen von extrem kleinen bis zu monumentalen Formaten reichenden Leinwänden widmet. Rolltreppen lösen sich in verschiedenen Gradationen in Spiegelungen auf gläserner Architektur auf, werden bis an die Grenze zur Abstraktion in quasi postkubistischer Manier zersplittert. Diese Bilder offenbaren ihre enge Verwandtschaft zu der Werkgruppe der computermanipulierten Motive, wo die klassische Malerei eine Liaison mit der virtuellen Welt eingeht.

Wir kennen Scheibe als brillanten Schilderer von reflektierenden Oberflächen wie in den facettiert spiegelnden Aluminiumfolien von Blumensträußen und von quecksilbrig glitzernden Verzerrungen in digital manipulierten Photos. Eine weitere der Werkgruppen, die Jörg Scheibe meist über Jahre hinweg aufbaut, sind seine Ein-Euro-Shop Motive, meist mit gestapelter Tupperware. Die Alltagsbanalität des Dargestellten steht in ironischem Kontrast zur Virtuosität der malerischen Umsetzung und auch zum zwiespältigen Luxus der Überfülle des Angebots. Hier hat Scheibes Malerei die Qualität der subtil kritischen Reflexion über die heutige Konsum- und Warenwelt.

Material verkehrt seine Eigenschaft ins Gegenteil, auch das ist ein Thema dieser gedankenvoll-sinnlichen Malerei. Eine reflektierende Glasfassade wird zum stählernen Rumpf eines Raumschiffes. Die Dingwelt wird, wie in jeder substanziellen Kunst, arbiträr: durchsichtiges Glas kann sich als hartes Metall entpuppen und umgekehrt. Und wie schon bei Alice im Wunderland wird der zersplitternde Spiegel auch bei Jörg Scheibe das zentrale Sinnbild der fragmentarischen Realitätskonzeption der Moderne. Alice hätte jetzt einen Laptop dabei, bei ihrem Besuch von Terminal Beach.