Im Büro: Jörg Scheibe 3DIm Büro: Jörg Scheibe 3D

Jörg Scheibe, Im Büro

Ausstellungseröffnung: Freitag, 11. Juni 2010, 18 Uhr
Ausstellungsdaten: 12. Juni - 24. Juli 2010

“Is not everything just the inappropriate search of a convoy of passing objective elements out of which the glance collects its war-booty?” –Paul Virilio, The Aesthetics of Disappearance.

Die Hamish Morrison Galerie freut sich, im Büro eine Ausstellung mit neuen Kollagen von Jörg Scheibe zu präsentieren.

Scheibes Kollagen sind aus Überresten alter Druckgraphiken entstanden, aus Comic-Heft-Motiven, die er ursprünglich vor 15 Jahren gedruckt hatte. Da der Künstler mit den originalen Druckgraphiken nicht zufrieden war, begann er diese zu zerstören, sie in kleine Stücke zu reißen, die leicht in einen Papierkorb gepasst hätten. Während er dies tat, begannen die zufälligen Formen der Papierschnipsel eine Möglichkeit sowohl für die endgültige Bestimmung der Druckgraphiken als auch für eine Abwendung von den vorher missfallenen Motiven zu bieten. Plötzlich wurden sie zu interessantem Material. Scheibe begann, die Papierfetzen wieder zusammenzufügen, ohne eine bestimmte Ordnung zu beachten. Er erweckte sie auf diese Weise wieder zum Leben und entdeckte gleichzeitig eine neue Dimension für seine Arbeitsweise.

Anstatt vorher festzulegen, wie die Kollagen in formaler oder ästhetischer Hinsicht aussehen sollen, folgt Scheibe dem Fallen der Schnipsel und unterstützt nur die “Selbstorganisation” der Papierformen. Er erlaubt ihnen, eigene Beziehungen und Hierarchien untereinander zu schaffen. Viele Künstler des 20. Jahrhunderts bedienten sich in ihren Kollagen dem Zufall, entweder um sich dem Unterbewussten zu nähern oder um die Grenzen zwischen Bildern und der Welt, die sie repräsentieren, zu zerschlagen. Scheibe ahmt diese Techniken jedoch nicht nach. Sein Herangehensweise liegt in der Wirklichkeit begründet; in seinen Kollagen bedient er sich dem Zufall, um innerhalb der zeitgenössischen Bildkultur Flüchtigkeit zu erzeugen: er selbst sieht dies als ein “Eingeständnis, dass die Uniformität der Welt verloren gegangen ist”.

Jörg Scheibe ist ein Künstler, der häufig zwischen den Medien wechselt; von Fotorealismus über Abstraktion zu Kollage. Ein roter Faden führt durch diese verschiedenen Techniken – der Zweifel. Scheibes Werke verursachen eine Art Beklemmung: z. Bsp. das fotorealistische Gemälde, das von einer missglückten Fotografie stammt, oder das “abstrakte” Bild, das eigentlich eine Kopie von einem Computergenerierten Motiv ist; und nun die kleinen Zufalls-Kollagen, die ein Produkt der Zerstörung sehr viel größerer, sorgsam geplanter Werke sind. Da seine Arbeiten unseren Erwartungen an sie nicht gerecht werden, bewirken sie eine Art Krise. Aber diese Krise wird nicht durch das Werk oder den Künstler verursacht, sondern durch uns selbst, die Betrachter. Scheibe zwingt uns, unsere Vorurteile im Bezug auf Bilderproduktion zu hinterfragen. Seine Arbeiten sind stille Konfrontationen in einer Welt der Reizüberflutung und Bilderübersättigung.

Jörg Scheibe wurde 1966 in Ebersbach, Sachsen geboren. Seine Arbeiten wurden in Deutschland bereits vielfach gezeigt. Auch an internationalen Ausstellungen, u.a. in Mailand, Prag, Genua, New York und Wellington nahm er teil. Er ist in verschiedenen öffentlichen Sammlungen vertreten. Jörg Scheibe lebt und arbeitet in Berlin.