Im Büro: Delphine Balley 3DIm Büro: Delphine Balley 3D

DELPHINE BALLEY, Im Büro


Eröffnung: Freitag, 30. April 2010, 18 Uhr
Ausstellungsdauer: 1. Mai  –  6. Juni 2010

Die Hamish Morrison Galerie freut sich, eine Einzelausstellung der französischen Fotografin Delphine Balley (*1974) im Büro präsentieren zu können.

In der Serie „L´album de famille“, die die Fotografin seit 2002 kontinuierlich um neue Motive ergänzt, zeigt Delphine Balley familiäre Szenen, die uns einerseits vertraut, andererseits fremd, fast unheimlich erscheinen. Die Akteure dieser Szenen sind erstarrt in Situationen, die sich  - aus ihrem Kontext entnommen –  dem Betrachter nicht erschließen. Bei den dargestellten Personen handelt es sich um tatsächliche Familienmitglieder von Delphine Balley, die in einem Dorf in Nordfrankreich aufwuchs. Von der Künstlerin durch Requisiten und Accessoires wie Masken, Schienen, Krücken, Krawatten, Haarreife u.ä.  ausgestattet, werden die Figuren deformiert und entfremdet, einzelne  - vielleicht tatsächliche vorhandene Eigenschaften oder Merkmale -  werden überzeichnet dargestellt, ad absurdum geführt. Realität und Fantasie, Vergangenheit und Fiktion werden verwoben zu surrealen Momentaufnahmen, in denen die Individualität und Einzigartigkeit der einzelnen Charaktere zur Geltung kommen.
Die Schauplätze und Kulissen ihrer Szenen wirken antiquiert, verstaubt. Es haftet ihnen ein modriger Geruch an, sie rufen Erinnerungen an vergangene Zeiten, überholte Wertvorstellungen, konservative Familienstrukturen wach. Die schwarzen, schweren Bilderrahmen, in denen die Künstlerin ihre Fotografien präsentiert, verstärken noch dieses Moment einer gutbürgerlichen Behäbigkeit.

Delphine Balley agiert wie eine Dompteurin, sie übernimmt die Regie über ihre Verwandten – ein Rollentausch findet statt -  und gruppiert sie zu Szenen, die sich aus ihren Erinnerungen speisen. Sie versetzt sich zurück in ihre Kindheit, zeigt die Welt, wie sie sie als kleines Mädchen erlebt und gesehen hat. Authentische Erinnerungen und Erzählungen werden vermischt mit Elementen aus Märchen, Fiktion und Traum.
Die Künstlerin weigert sich in ihrer Funktion als „Familienporträtistin“, erwachsen zu werden und eine „erwachsene“, ernste Sicht auf die Welt anzunehmen. Sie verharrt in der Perspektive des jungen Mädchens, dessen Universum sich ausschließlich auf die heimische Villa und deren Bewohner beschränkt.  
Delphine Balley zeigt uns eine mysteriöse Welt voller seltsamer Charaktere, komplizierter zwischenmenschlicher Beziehungen und tragischer Ereignisse. Und dennoch erzeugen ihre Bilder auch ein Schmunzeln; indem sie ihre ganze eigene Geschichte erzählt und schonungslos aber liebevoll jeden Makel, jede Macke ihrer Verwandten bloßlegt, zeichnet sie ein groteskes, überzogenes Bild, das sehr subjektiv und zugleich stellvertretend ist für die „Institution Familie“.
 
Delphine Balley wurde 1974 in Romans/Frankreich geboren. Sie studierte Kunstgeschichte an der Universität Lyon und Bildende Kunst an der École Nationale Supérieure de la Photographie in Arles. Sie lebt und arbeitet in Lyon.
Ihre Fotografien waren bereits in zahlreichen Einzel – und Gruppenausstellungen zu sehen u.a. im Centre Cultural Ribérac, 7. Biennale Lyon, National Center for Contemporary Art Moskau und Irish Museum of Modern Art Dublin.

Vita der Künstlerin