Andrey Klassen, Café Raduga 3DAndrey Klassen, Café Raduga 3D

ANDREY KLASSEN, Café Raduga

 

Eröffnung: Freitag, 4. November 2011, 18 Uhr
Ausstellungsdauer: Freitag, 4. November – Samstag, 17. Dezember 2011
 

Die Hamish Morrison Galerie freut sich außerordentlich, unter dem Titel Café Raduga die zweite Einzelausstellung des russischen Künstlers Andrey Klassen (*1984) zu präsentieren.

Andrey Klassen arbeitet fast ausschließlich mit Tusche auf Papier. Er bewegt sich zwischen der Malerei und der Zeichnung. Seine Farben sind die endlosen Tönungen zwischen Schwarz und Weiß. Ihm selbst geht es dabei vor allem darum, seinen Geschichten Leben einzuhauchen. Diesem Gebot unterwirft er scheinbar ohne Mühe die unterschiedlichsten Tuschetechniken. Mit Leichtigkeit findet Klassen die passenden Tönungen für seine vielfältigen Szenarien, virtuos spielt er mit verschiedenen Perspektiven und taucht seine Figuren und Wesen mal in Dunkelheit, mal in Halbschatten oder zieht sie ins Licht. Selbst abstrakte Kompositionen fügen sich mit einer gewissen Traumlogik mühelos in seine Werke ein.

Die Wesen und Situationen, die er entwirft, speisen sich aus den unterschiedlichsten Quellen. Mythen, Filme, Literatur, Märchen, Comics, Alltag, Kunstgeschichte, Natur, Religionen, und nicht zuletzt amouröse Verstrickungen. Es gelingt ihm, die Vielfalt und Verwirrung des Lebens darzustellen ohne sie zu deuten, zu analysieren. Seine Werke vermitteln eine tragische aber humorvolle Verkörperung der Flaubertschen `Vergangenheit, die bedrängt, einer Gegenwart, die sich entzieht und einer Zukunft, die ungewiss bleibt´.

Der Künstler selbst wandelt oft in seinen Bildern umher, mal als kleine Randfigur, die Szenerie betrachtend (Puschka-Igruschka), mal als maskierter Held (Nie wieder allein sein), mal als einer seiner Riesen, der die Situation zu lenken scheint oder der, zu groß für seine eigene Welt geworden, sie nunmehr liebevoll zu beschützen sucht (Im ruhigen See).

Erzählungen sind gebunden an allgemeingültige Zeichen – Zeichen, die selbst auf wenige Linien reduziert oder in Flächen aufgelöst, für einen Großteil der Betrachter erkennbar, identifizierbar bleiben. Sie sind, wie auch immer verschlüsselt, gekennzeichnet vom Willen zur Mitteilung. Klassens Werke sind in dieser Hinsicht aus zweierlei Perspektiven bemerkenswert. Er unternimmt den selten gewordenen Versuch, etwas mit uns zu teilen, der Betrachter ist ihm wichtig – er möchte gelesen werden. Seine Technik ist ihm Mittel zum Zweck – nicht Selbstzweck. Gleichzeitig ist er sich sehr wohl der Tatsache bewusst, dass kaum noch allgemein verbindliche Zeichen existieren. Nicht mehr nur kulturelle und soziale Unterschiede sowie generationsabhängige Zeichencodes bedingen die Lesbarkeit von Kunstwerken oder Texten, sondern zusätzlich die allgemeine und permanente Verfügbarkeit von Zeichen und Bildern aus den unterschiedlichsten Bereichen und Epochen. Ein Babelscher Turm aus Zeichen und Worten, ein Gewirr aus unterschiedlichen Niveaus von Wissen und Erinnerung prägt die gegenwärtige Rezeption von Kunstwerken. Klassens Bilder spiegeln dieses Chaos und ignorieren es gleichzeitig. Er erzählt unbeirrt seine Geschichten – und unsere – er verführt uns, lockt uns und nimmt uns mit in eine verschlüsselte, surreale Welt, in der wir jedoch mit Grausen und Vergnügen feststellen, dass es schon immer und für immer um die gleichen großen und kleinen Themen des Lebens geht und gehen wird; und dass wir es nie satt sein werden, ihnen in immer wieder neuen Geschichten zu begegnen, um es mit ihnen vielleicht als Batman, Waldgeist oder einfach als wir selbst, aufzunehmen.

Die Freiheit, die Klassen sich bei der Wahl seiner Quellen und Motive nimmt, erzielt ihre faszinierende Wirkung nicht zuletzt durch die Selbstbeschränkung, der er sich bei der Wahl seiner Mittel unterwirft. Seine Geschichten erzählt er in schwarz/weiß; und so wie wir bei der Betrachtung eines Filmes in schwarz/weiß die jeweiligen Farben an ihrem spezifischen Grauton erinnern, so erkennen wir auch in Klassens Bildern jede Farbe, jede Nuance des Lichts an jenem spezifischen Grauton, den eben nur eine bestimmte Farbe in Grau haben kann. Wir wissen um die Farbe, ohne uns durch sie ablenken zu lassen. So wie wir, wenn wir uns darauf einlassen, auch um die ewigen Themen seiner poetischen und ereignisreichen Bilder wissen, ohne uns von den Labyrinthen beirren aber durchaus betören zu lassen.

Andrey Klassen wurde 1984 in der sibirischen Stadt Irkutsk, Russland geboren. Von 2005 bis 2010 studierte er an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste und ist derzeit Meisterschüler bei Prof. Kerbach. Im Jahr 2009 erhielt er den DAAD-Preis für herausragende Leistungen. Obwohl noch so jung, hatte er bereits zahlreiche Ausstellungen in seiner Heimat Russland, darunter eine Einzelausstellung im Städtischen Museum in Irkutsk im Jahr 2007. Seine Werke sind bereits in namhaften europäischen und amerikanischen Sammlungen vertreten. Dies ist seine zweite Einzelausstellung in Berlin. Er lebt und arbeitet in Dresden.

Anlässlich der Ausstellung erscheint ein Katalog mit dem gleichnamigen Titel.