Paul Pretzer 

Milch und Mortadella

 

Eröffnung: Freitag, 29. Oktober 2010, 18 Uhr

Ausstellungsdauer: 29. Oktober - 4. Dezember 2010

 

„Die einzig mögliche Antwort ist die Frage selbst.“  Eugéne Ionesco 

Die Hamish Morrison Galerie freut sich, eine Ausstellung mit neuen Gemälden von Paul Pretzer zu präsentieren. Dies ist Pretzers dritte Einzelausstellung in der Galerie und folgt seinem erfolgreichen Solo-Auftritt auf VOLTA New York zu Beginn dieses Jahres. 

Pretzers Figuren und Szenarien wirken verstörend vertraut. Sie führen uns auf die Spuren alter, immerwährender Geschichten, die uns seit jeher begleiten. Es scheint, als hätte Pretzer die Essenzen verschiedener literarischer Gattungen und unterschiedlicher Stile der Malerei in einem eigenen alchimistischen Verfahren destilliert, um sie unter Hinzufügung jener geheimen Substanz, die nur der Künstler kennt und die den Künstler ausmacht, zu seiner eigenen Bildwelt zu transformieren.

So lässt es sich vielleicht erklären, dass sich ungeachtet des kulturellen und individuellen Hintergrundes des jeweiligen Betrachters, ähnliche Reaktionen einstellen. Gedanken an Rumpelstilzchen sind ebenso stimmig wie Erinnerungen an Geschichten aus tausendundeiner Nacht, Anspielungen auf ETA Hoffmanns `klein Zaches´ sind so zutreffend wie Anklänge an das absurde Theater eines Ionesco. Vielleicht stand ja auch Robert Crumbs `Mr. Natural´ Pate für den über einem Erdbeerfeld schwebenden, bärtigen Mann.

Auch Pretzers jüngste Gemälde resultieren aus einem komplexen und dynamischen Dialog mit der Kunst der Vergangenheit, insbesondere mit der spanischen und niederländischen Malerei. Er bedient sich einiger der hoch verehrten Traditionen der Kunstgeschichte und stellt die absurde "Was wäre wenn - Frage". Zum Beispiel: was wäre, wenn einer von Rembrandts Porträtierten tatsächlich ein Schwein in Rüschen wäre, das an einer Balalaika zupft? Oder was wäre, wenn ein niederländisches Stillleben von einer einzigen Scheibe Mortadella mit Gesicht infiltriert würde - Würde sich die ganze Szene in ein fremdes, Feinkosttheken - memento mori verwandeln? Und was wäre, wenn man in einem von Vermeers Szenerien jemanden statt ihn in klagender Pose darzustellen, in eine elastische Kröte beißen ließe?

Eine neue Entwicklung in Pretzers Schaffen sind die großformatigen Werke, auch diese ähneln in ihrer dramatischen Beleuchtung, ihren quasi-religiösen Einstellungen und ihrem Gegenstand historischen Gemälden - und auch hier bleiben die genauen Geschichten, auf die sie sich beziehen, durch die surreale Mehrdeutigkeit Pretzers verdeckt. Seine Bildtitel unterstreichen den Eindruck des Absurden, Wortspielereien, die in keinem erkennbaren Zusammenhang mit dem Gemälde zu stehen haben. Ohne Zweifel besteht eine der stärksten Wirkungen seines Werkes darin, unsere komfortable Akzeptanz malerischer Traditionen zu stören und unbequeme Fragen an unsere eigenen Beziehungen zu seinen Figuren und ihren Handlungen zu stellen.

Pretzer verwendet die Alten Meister um eine Welt zu schaffen, die gänzlich seine eigene ist - eine, die so viel mit den Simpsons zu tun hat, wie mit Velazques. Mit dem theatralischen Licht das er auf einige der Helden der Kunstgeschichte wirft, schafft er ein wirklich originelles, zeitgemäßes Werk. Dabei beweist er, dass figurative Malerei noch viel Leben in sich hat.

Ein Katalog in deutscher und englischer Sprache, mit einem Essay von Mathias Wagner, wird anlässlich der Ausstellung veröffentlicht werden.

Paul Pretzer wurde in Paide, Estland im Jahr 1981 geboren. Seit dem Abschluss als Master of Fine Arts an der Hochschule für Bildende Künste, Dresden, im Jahr 2007 hat er sich als ein aufregender junger Maler in Deutschland etabliert. Seine Arbeiten wurden in Deutschland, USA, Italien und kürzlich in der Ausstellung "Golden Agers & Silver Surfers" im Kunsthaus Baselland, Basel, ausgestellt. Er hat bereits mehrere Auszeichnungen und Stipendien erhalten, und seine Bilder sind in zahlreichen Sammlungen, einschließlich der Rubell Family Collection, der Sammlung SØR Rusche, der Sammlung der Bundesbank Dresden und der Städtischen Galerie Dresden vertreten. Pretzer lebt und arbeitet in Dresden.