Paul Pretzer, Fummeln für Fortgeschrittene

Ausstellungseröffnung: Samstag, 5. April, 18 – 22 Uhr
Ausstellungsdauer: 5. April – 17. Mai 2008

Mit der Ausstellung `Fummeln für Fortgeschrittene´ präsentiert die Hamish Morrison Galerie die erste, große Einzelausstellung des aus Estland stammenden, jungen Dresdner Malers Paul Pretzer.

Bereits der Titel der Ausstellung führt uns unmittelbar in den klugen, skurrilen und tragikomischen Kosmos des Künstlers. Gefummelt wird in vielen seiner Gemälde. Aber es wird in ikonographisch vertraut scheinenden Posen und in altmeisterlich anmutender Malweise gefummelt.

In seinen oft kleinformatigen Ölgemälden erschafft Paul Pretzer eine Vielzahl von eigenartigen  Hybridwesen und Chimären, die er mit der Warenwelt entliehenen oder frei erfundenen Attributen versieht, die sich meist einer eindeutigen Lesart entziehen. Die dargestellten Szenen wecken nicht selten prägende Erinnerungen an die Geschichten vom Suppenkasper oder der frommen Helene. Kleine Unachtsamkeiten können schreckliche Folgen nach sich ziehen. Doch begegnet uns in Pretzers Bildern keine schwarze Pädagogik,  sondern vielmehr ein schwarzer Humor. Das  Absurde, Pech, Unglück und das Misslingen großer und kleiner Vorhaben geschehen einfach. In diesen Bildern finden sich keine klar identifizierbaren Verursacher von Schicksalen oder Ungerechtigkeiten. Das einzige, das der Künstler seinen Figuren auf Ihrem Sisyphos Weg mitgibt ist eine Empathie, die es seinen verlorenen, in ritualisierten Posen Halt suchenden Kreaturen ermöglicht, ganz nah an uns heran zu kommen. Täter oder Bösewichte scheinen im gleichen Maße Leidtragende eines Malheurs zu sein wie das vermeintlich identifizierbare Opfer.

Paul Pretzer bedient sich virtuos seines Talents zur Komposition, Formgebung und Lichtinszenierung. Beim anfänglichen Betrachten seiner Gemälde ist man schnell versucht der angenehmen Geborgenheit einer scheinbar leicht zugänglichen Malerei der gegenständlichen Gewissheiten zu verfallen. Doch Achtung, schon ergeht es uns wie Pretzers Figuren. Und das Mitgefühl für die von der Absurdität des Daseins gebeutelten Wesen wird schnell zu einem Mitgefühl für uns selbst.

Pretzer reiht sich selbstbewusst ein in die Tradition der Tafelbildmalerei. Er bedient sich bei den Besten, zitiert sie gekonnt und hinterfragt durch den Einsatz des Tragikomischen, des Grotesken und des Slapstick auf sehr zeitgenössische Art und Weise die Konventionen der Ernsthaftigkeit in der Auseinandersetzung mit Kunst. Diese Fähigkeit mag eine der Ursachen sein, warum die Malerei Pretzers bereits vor dieser ersten, großen Einzelausstellung beachtliche Aufmerksamkeit beim nationalen und internationalen Kunst- und Sammlerpublikum erregt hat. Nicht oft bekommt man so große Gemälde in so kleinen Formaten zu sehen.